Wie soll Genossenschaft gelebt werden? Grundlegende Antworten darauf gibt die WG-Satzung.
Ein Pfeiler der Genossenschaft ist Mitbestimmung: Alle Mitglieder haben eine Stimme, wenn es um die Gestaltung ihrer WG geht. Keine Frage, dass sie deshalb auch dabei sein sollten, als eben jene Satzung 2024 an neue Gegebenheiten und Gesetze angepasst werden musste.
Heidrun Bitter (65), WGSH-Mitglied seit 1976 und seit knapp zehn Jahren auch Vertreterin, erzählt, warum es ihr so wichtig war, in der Kommission dabei zu sein, die mit viel Sorgfalt und Akribie über die nötigen Änderungen entschieden hat.
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Frau Bitter, warum ist es Ihnen wichtig, eine Stimme zu haben und die Genossenschaft mitzugestalten?
Mir macht das einfach Spaß. Ich hab schon in der Schule mitbestimmen und mitreden wollen, und später auf Arbeit in der Frauenbrigade. Ich bin auch der Genossenschaft schon immer auf die Ketten gegangen, wenn was nicht stimmte.
Wie sieht das konkret aus?
Ich wohne seit 37 Jahren in der Schillingallee und war in meinem Viertel von Anfang an aktiv. Hier gibt es viele Ältere, die sich an mich wenden, wenn sie Probleme haben, entweder direkt, zum Beispiel wenn sie mich im Garten sehen, oder mein Briefkasten wird zum Kummerkasten. Ich habe einige Unterschriftenaktionen gemacht, zum Beispiel zu unseren Innenhöfen, schreibe mit Mitgliedern Anträge, habe für uns einen separaten Müllplatz angeregt. Es gibt immer was zu tun. Man kann da bei der WGSH aber auch immer jemanden ansprechen.
Wie kam es, dass Sie in der Kommission mitgemacht haben, die über Satzungsänderungen beraten hat?
Ich wurde gefragt, ob ich da mitmachen möchte, und war gleich dabei, weil es wichtig ist. Anfangs waren das schon böhmische Dörfer für mich, diese ganzen Gesetze. Aber wir haben in sechs Sitzungen Schritt für Schritt, Zeile für Zeile alles durchgekaut, was anders werden muss, was besser werden kann. Man konnte alles in Ruhe durchlesen, immer fragen, das lief dann reibungslos. Da kann man schon stolz drauf sein.
Gibt es bei der WGSH generell genug Möglichkeiten, am Genossenschaftsleben teilzuhaben, mitzumachen?
Ja, da gibt es ganz viel. In der Vertreterversammlung natürlich, aber auch bei Veranstaltungen, bei Hoffesten, was viele gern nutzen. Ich bin eigentlich immer bei allem dabei. Auch bei den Wohnbereichsversammlungen. Im Jubiläumsjahr gab es ein ganz tolles Fest am Schwanenteich, wo man sich austauschen und kennenlernen konnte. Die WG ist auch überall integriert, zum Beispiel bei Hansa Rostock. Da bin ich immer stolz, wenn ich im Stadion bin.
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„Wir haben Heidi Bitter gefragt, ob sie in der Satzungskommission mitwirken möchte, weil sie uns schon lange als sehr engagiertes Mitglied bekannt ist, als jemand, der sich immer kümmert. Demokratie ist kompliziert, braucht viel Information, Diskussion, gemeinsame Entscheidungen, und das braucht Leute, die engagiert sind, die Dinge vorantreiben, die auch unbequem sind und kritisch nachfragen und trotzdem konstruktiv für die gemeinsame Sache an einem Strang ziehen. Nur so kommen wir voran.“
Dirk Burgunde, Prokurist, Abteilungsleiter Wohnungswirtschaft, WGSH-Mitglied und Leiter der sechsköpfigen Satzungskommission 2024. Mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Aufsichtsrat, Vorstand und Vertreterversammlung haben hier alle Organe der Genossenschaft gemeinsam über nötige Änderungen beraten und abgestimmt. Unter anderem wurde neu festgeschrieben, dass eben diese Organe in Ausnahmefällen – wie einer Pandemie – auch in digitalen Versammlungen beschlussfähig sind.
